Katharina Düwel

 geboren:

10.2.1948

 Adresse:

c/o Förderkreis der Schriftsteller, Marktplatz 13 06108 Halle

 Telefon/Fax:

c/o 0345 / 283 22 57

 E-Mail:

 

 

Biografie:

Geboren in Rostock, aufgewachsen in Kleinmachnow bei Berlin, Chemiestudium in Berlin. Arbeit im Kulturbereich der Lutherstadt Wittenberg und postgraduales Studium Kulturwissenschaften. Zwei Kinder. Nach 1989 Öffentlichkeitsarbeit in der Stadtverwaltung Zahna und Mitarbeiterin einer Landtagsabgeordneten bis 2002.
2000/2001 Jahreskurs „Kreatives Schreiben“ in Berlin. 2001-2003 Leitung einer Schreibgruppe von Gymnasiasten, Existenzgründerlehrgang, Vorbereitung auf freiberufliche Tätigkeit.

Bibliografie:

Zwei Minuten vor dem Regen, Gedichte, 2002, Halle, projekte-verlag 188

Beteiligung an Anthologien:

Lyrik und Prosa aus dem Landkreis Wittenberg, 1999, Drei Kastanien Verlag
Zehn Jahre Mauerfall, 1999, Verlag Heike Wenig
Wieder schlägt man ins Kreuz die Haken, 2001, Verlag Heike Wenig
Ansichten 2, 2001, Literaturkollegium Brandenburg

Veröffentlichungen in den Zeitschriften „Frau und Kultur“ 4/1995, 1/1997, 2/1998, 3/2003 und „Ort der Augen“ 4/2002

Arbeitsgebiete:

Lyrik, Kurzerzählung, Hörspiel

Themenangebote:

Lesungen von Lyrik und Kurzerzählungen, Schreibwerkstätten für Erwachsene und Jugendliche

Textprobe:

 

Wut des Cellos

Die eine Art Wut
des Cellos
ist Rückzug
kein Ton
versteckt im Kasten
Leid.

Eine andere Art Wut
des Cellos
endet tödlich
Splittern
Bruch
zischende Luft
Saitenreißen
es bleibt Brennholz
Drahtgekröse
ein erschrockener Bogen.

Die dritte Art Wut
des Cellos
wird Musik.

Aus: „Zwei Minuten vor dem Regen“, Gedichte

 

Medusenhaupt

... Um die alte Dorfkirche flattert gelbes Herbstlaub. Krähen reden aus den hohen Bäumen heisere Worte. Herber Eichenblattgeruch, gemischt mit Buchsbaum vom Friedhof, hängt in der Luft.
Die Fahrräder werden an Bäume und Zäune gelehnt, einige werfen sie einfach auf den Gehweg. Dann kriechen sie durch Gestrüpp, die Schuhe versinken im feuchten Laub, Zweige klatschen ins Gesicht. Plötzlich stehen sie vor einer alten Mauer. Die Zeit hat sie dunkel gefärbt. Sie wird noch dunkler, als die Sonne hinter einer Wolke verschwindet. Schatten senkt sich auf die Kinder.
„Hier!“, schreit Gerald plötzlich. „Ich habīs!“
Neugierig drängen sie sich um die Stelle. Aus leeren Augen stiert sie das Gesicht eines Mannes an. Statt der Haare winden sich Schlangen. Entsetzt starren alle auf den Kopf. Es gab ihn also wirklich, den alten H., der einen Knecht erschlagen hat. Und wirklich hat man die Schlangen auf ihn geflüstert, sonst hätten sie das hier nicht an der Mauer verewigt.
„Los, weg!“, schreit jemand. Als ob der Kopf hinter ihnen her wäre, hasten sie durch das Gestrüpp zurück. Bei den Rädern sehen sie sich betreten an. Die Abenteuerlust ist ihnen vergangen. Nachdenklich und schweigsam fahren sie nach Hause. ...

(Ausschnitt)