Reinhardt O. Hahn (Cornelius-Hahn)

 geboren:

1947

 Adresse:

Kardinal-Albrecht-Straße 39       06108 Halle (Saale)

 Telefon:

034783 / 602 35

 E-Mail:

info@mitteldeutsche-letters.de

 

Biografie:

Geboren in Gottberg, Kreis Neuruppin. Im Juni 1953 verließen die Eltern den Osten. Erst in Westberlin, danach in Bremen, wurde R. O. Hahn 1954 in Krefeld-Traar am Rhein eingeschult. 1959, nach der Scheidung der Eltern, kehrte der Vater zurück in die damalige DDR. Seine jüngeren Kinder wurden von der Mutter in den Osten abgeschoben, darunter auch Reinhardt O. Hahn.
1960 starb der Vater. Mit 14 Jahren versuchte R. O. Hahn die Republikflucht, danach wurde er ins Kinderheim geschickt. Sesshaft wurde R.O. Hahn erst 1966 im Bezirk Halle/Saale. Schichtführer in Leuna. Funktionär der FDJ. 1976 Ausschluss aus der SED.
Er findet Halt an literarischen Versuchen. Studium der Literatur in Leipzig von 1978 bis 1982 (Literaturinstitut). Seit dem 14.1.1982 abstinent lebend. Seit 1983 freischaffend. Hat insgesamt neun Kinderbücher und vier Romane geschrieben. 1988 Eheschließung (Cornelius-Hahn).
1990 freischaffend geblieben. Kleines Unternehmen gegründet. 1992 Geschäftsführer einer GmbH, Mehrheitsgesellschafter. Wohnt seit 1997 in Adendorf-Friedburgerhütte (Kreis Mansfelder Land). Ist Mitglied im Friedrich-Bödecker-Kreis Sachsen-Anhalt.

Bibliografie:

Das letzte erste Glas, Roman, 1986, Halle, Mitteldeutscher Verlag
Noah II, (mit Klaus-Dieter Loetzke), Science-Fiction-Roman, 1988, Halle, Mitteldeutscher Verlag
Ausgedient – Ein Stasi-Major erzählt, 1990, Halle, Mitteldeutscher Verlag
Die Suche nach dem Glück, Sucht- und Drogenführer, 1993, Halle, JUCO-Verlag
Keiner hat mir gesagt, wie ich leben soll, Hallesche Autorenhefte Nr. 16, 1998, Halle, Förderkreis der Schriftsteller

verschiedene Kinderführer (sämtlich Halle, JUCO-Verlag):

Die pinkfarbene Schleife, 1993; Die Hussiten in Naumburg, 1993; Das Zauber-Trike, 1993; Der Wunderflummi, 1993; Der Ritterschlag, 1993; Schneller als man denkt ..., 1996; Das gestohlene Licht, 1998

Daneben zahlreiche Kurzgeschichten, publizistische und journalistische Arbeiten. Ausgedient wurde ins Französische übersetzt.

Arbeitsgebiete:

Kinderbücher, Sucht- und Drogenprävention, Bewältigung der Gegenwart und ihrer Konflikte

Themenangebote:

Für Erwachsene:

1. Besonders für Sucht- und Drogenkranke (Standpunkt: Prävention durch die Gesellschaft)
2. Leserschaft und Interessenten für DDR und MfS
3. Bewältigung der Gegenwart: Erfolgreich freiberuflich und geschäftsführend tätig sein
4. Konfliktbewältigung; Gewalt und Selbstzerstörung nach innen und außen

Für Kinder, Schüler:

1. Heimat- und Lebensfreude spannend dargestellt (3. bis 8. Klasse)
2. Selber schreiben macht froh oder ...: Wie schreibe ich eine Geschichte? (3. und 4. Klasse)
3. Lernen und leben ohne Drogen und Sucht (6.bis 12. Klasse)
4. DDR und MfS (10. bis 12. Klasse)

Textprobe:

Daniel und Fabian lagen auf einer blumenbesternten Wiese. „Alles ist so langweilig“, gähnte Fabian. Er brach einen Zweig von einem Strauch und warf damit nach Daniel.
„Alles ist sehr langweilig“, erwiderte Daniel und spuckte einen Grashalm aus. Hoch oben am Himmel trällerte eine Lerche. Sie sang immerfort: „Ich bin zufrieden – so zufrieden – zufrieden bin ich.“
Das wollten Fabian und Daniel nicht hören. Fabian sagte: „Zufriedenheit, was soll denn das? Ich bin nicht zufrieden.“ „Richtig“, erwiderte Daniel, „Zufriedenheit ist eine alberne Sache. Nur dumme und alte Leute können zufrieden sein.“
Fabian nahm einen Brocken Erde und warf nach der Lerche. „Einmal treffe ich dich“, drohte er. Die Lerche aber stieg in die Lüfte, bis ihr Gesang nicht mehr zu hören war.
„Ich soll meinen Eltern im Garten helfen“, sagte Daniel.
„Und, willst du ihnen helfen?“, fragte Fabian.
„Nein, dabei muss ich mich anstrengen“, erwiderte Daniel.
„Das kann ich verstehen. Franziska will mit mir wandern gehen“, sagte Fabian. „Dazu habe ich keine Lust. Franziska meint, dass sie mich gern hat. Ich glaube ihr das nicht.“
„Sie wird dich nicht gern haben. Ich kenne das von Anja. Sie verspricht mir alles und geht doch ihre eigenen Wege“, sagte Daniel. Seine Stimme klang ein wenig traurig. „Lieber Freund“, sprach er, „uns fehlt das Glück. Ich glaube, das Glück wird uns nicht gegeben. Wir müssen es uns selber suchen. Man sagt uns nicht, wo es zu finden ist. Hätte ich das Glück, erst dann wäre ich mit meinem Leben zufrieden.“
„Du hast Recht, uns fehlt das Glück. Wir wollen glückliche Menschen sein.“
„Auf geht’s, suchen wir das Glück! Was brauchen wir Anja und Franziska.“
Sie erhoben sich von der blumenbesternten Wiese und betraten einen grünen Park. Hohe Bäume wuchsen dort und bunte Blumen.
„Ist das langweilig hier“, gähnte Fabian. Dann trafen sie einen alten Mann, der die Erde eines Rosenbeetes lockerte. „He, Alter. Wir suchen das Glück“, rief Daniel. „Es fehlt uns sehr. Sag du uns, wo wir es finden können, alter Mann“, forderte Fabian.
Verwundert schaute der Alte die Burschen an. „Ihr seid das Glück“, sagte er. „Unsinn, Alter. Veralbere uns nicht. Wo ist das Glück?“
„Ihr sucht also das Glück? Seht euch um“, forderte der Alte sie auf. Er streckte den Arm aus und wies mit der Hand auf die Stadt.
Sie war zwischen Bäumen und Wiesen neben dem Fluss eingebettet. Die Häuser scharten sich um die fünf Türme, die schlank und spitz in die Höhe ragten. Menschen kamen und gingen zum Marktplatz. Sie waren froh und heiter. „Das soll das Glück sein?“, fragte Daniel böse.
„Oder seht euch meine Rosen an“, sagte der Alte unbeirrt, „sind sie nicht herrlich, diese Blüten? Leuchtet es nicht wunderbar, das kühne Rot? Schaut her, wie erfrischend das kräftige Grün der Blätter ist.“
„Wir suchen das Glück. Was sollen wir mit der Stadt, mit den Rosen oder mit uns selbst?“
„Diese stolze Rose verneigt sich vor mir, Alter. Sieh her!“ Daniel knickte der Blume den Hals. Die Blüte fiel in den Staub. Ein Tautropfen perlte aus dem Kelch.
„Ihr seid unglückliche Menschen“, sagte der Alte. Verärgert schaute er Fabian an. „Was ist mit dir? Du bist sein Freund. Kannst du auch keinen Gefallen an dieser Rose finden? Warum antwortest du nicht? Schau diese Lerche da oben an. Grau und unscheinbar schwebt sie über dem Felde. Sie singt unterm hohen Himmel und verbreitet Frohsinn. Hat sie nicht etwas Göttliches an sich?“
„Du verehrst einen Vogel, Alter. Ich bin ihm weit überlegen“, sprach Fabian. Er nahm einen flachen Stein und schleuderte ihn hoch in die Luft. Zu Tode getroffen, fiel die Lerche herab.
Der alte Mann lief auf das Feld. Entsetzt hielt er den Vogel in seiner Hand. „Ihr seid verflucht“, schrie er. „Euer Verstand sitzt auf der Zunge. Aber wartet. Das Leid wird euch heimsuchen!“

Aus: „Die Suche nach dem Glück“