Schöne deutsche Heimat - Leuna


       Jürgen Jankofsky

Leuna

Es soll Leute geben, die Leuna für ein chemisches Produkt halten einen Kunststoff oder ein Düngemittel vielleicht. Weit gefehlt!
Zwar wurde die Stadt Leuna zweifelsohne erst im Zuge der Industrialisierung zu dem, was sie heute ist, ihre Ursprünge reichen jedoch bis in die Vorgeschichte des Gebietes am Mittellauf der Saale zurück. Allein der Name Leuna ist mittlerweile mehr als tausend Jahre alt.
Doch der Reihe nach:
Erstmals wurde hier vor etwa 5.500 Jahren gesiedelt. Rössen, einer der heutigen Stadtteile, gab aufgrund ergiebiger Grabungsfunde sogar einer jungsteinzeitlichen Kultur den Namen. Bis in die Schweiz, bis Frankreich und Belgien war die Rössener Kultur einst verbreitet. Und auch spätere Epochen bis hinein in die Römische Kaiserzeit hinterließen ihre Spuren in Leuna. Überhaupt gilt Leuna als einer der bedeutendsten archäologischen Fundorte der Region.
Später entstanden die Dörfer Kröllwitz, Daspig, Göhlitzsch, Rössen, Ockendorf und eben Leuna slawische Siedlungskerne zumeist. Als „lunowe“ taucht Leuna erstmals in einer Urkunde auf, und darin nun soll das altslawische Wort für Rundung, für Busen stecken. Durchaus plausibel, betrachtet man den weiten Bogen, den der Saalelauf hier in der Auenlandschaft markiert.
Jahrhunderte lang prägte Landwirtschaft die Ebenen südlich der alten Dom- und Schlossstadt Merseburg. Mitten im Ersten Weltkrieg suchten Großindustrielle aber nach einem geeigneten Standort für ein Werk, das die Sprengstoffproduktion des Deutschen Reiches sichern sollte. Aufgrund der günstigen Rohstoff- und Energiebasis, einer guten Verkehrsanbindung und nicht zuletzt der Lage weit im Hinterland der damaligen Fronten fiel die Wahl auf hiesige Gemarkungen. Und so entstand in Rekordbauzeit von nur elf Monaten einer der größten Chemiebetriebe Europas, das Ammoniakwerk Merseburg, der alsbald Leuna-Werke heißen sollte.
Weltweit erstmals wurde hier Ammoniak großtechnisch aus Luftstickstoff gewonnen. Dies blieb jedoch beileibe nicht die einzige hiesige innovative Leistung. Nicht von ungefähr sind mehrfach sogar Nobelpreise für Leunaer Forschungen und Produktionsanwendungen vergeben worden.
Die Kehrseite der chemischen Großproduktion war eine unübersehbare Umweltverschmutzung.

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